Ein beschichteter Mopedkolben mit Einfahrbeschichtung besitzt eine dünne Gleitschicht auf dem Kolbenhemd. Diese Schicht erleichtert das Einlaufen zwischen Kolben und Zylinder, beispielsweise bei einem neuen oder frisch geschliffenen Simson-Zylinder oder einem neuen Tuningzylinder.
1. Wie funktioniert die Einfahrbeschichtung?
Die Beschichtung übernimmt hauptsächlich drei Aufgaben:
Reibung reduzieren: Sie vermindert die Reibung zwischen Kolbenhemd und Zylinderlaufbahn während der ersten Betriebsstunden.
Fressen verhindern: Bei kurzzeitig ungünstigen Schmierbedingungen kann die Gleitschicht einen gewissen Schutz bieten.
Einlaufen erleichtern: Kleine Unebenheiten zwischen Kolben und Zylinder können sich besser aneinander anpassen, ohne dass sofort Metall auf Metall reibt.
Bei unseren Kolben besteht die Beschichtung beispielsweise aus einer molybdänhaltigen Gleitschicht MoS2 (keine einfache Graphit- oder einer anderen Polymer-Gleitbeschichtung).
2. Was passiert während des Einfahrens?
Phase 1: Neuer Kolben
Die Beschichtung liegt auf dem Kolbenhemd und bildet eine gleitfähige Zwischenschicht. Dadurch wird die Reibung beim ersten Betrieb reduziert.
Phase 2: Einlaufphase
An den Kontaktstellen wird die Beschichtung allmählich dünner. Kolben und Zylinder passen sich aneinander an. Gleichzeitig müssen sich die Kolbenringe an die Laufbahn anlegen.
Phase 3: Normalbetrieb
Die Beschichtung ist an den stärker belasteten Stellen teilweise oder weitgehend abgetragen. Im normalen Betrieb übernimmt der Ölfilm die Schmierung. Je nach Beschichtung können Reste der Gleitschicht erhalten bleiben.
3. Muss man einen beschichteten Kolben trotzdem einfahren?
Ja, unbedingt. Die Beschichtung ersetzt das Einfahren nicht.
Auch wenn das Kolbenhemd bereits eine Gleitschicht besitzt, müssen sich insbesondere die Kolbenringe und die Zylinderlaufbahn aufeinander einarbeiten. Bei einem Zweitaktmotor kommen außerdem die thermische Ausdehnung des Kolbens und die Abstimmung des Kraftstoff-Luft-Gemischs hinzu.
Für einen Simson-Motor bedeutet das grundsätzlich:
Den Motor zunächst schonend warmfahren.
In der Anfangszeit hohe Drehzahlen und längere Vollgasfahrten vermeiden.
Die Belastung schrittweise steigern, statt den Motor dauerhaft unter sehr geringer Last oder mit hoher Last zu betreiben.
Auf korrekte Vergaserabstimmung, ausreichende Kraftstoffversorgung und die vorgeschriebene Ölmenge achten.
Eine pauschale Einfahrstrecke von beispielsweise 500 km ist empfohlen.
4. Was passiert, wenn die Beschichtung verschwindet?
Das ist nicht automatisch ein Defekt. Eine Einfahrbeschichtung ist in der Regel eine funktionale Gleitschicht und keine dauerhaft notwendige Schutzschicht über die gesamte Lebensdauer.
Entscheidend ist, wie das Kolbenhemd danach aussieht:
Unauffällig: gleichmäßige Laufspuren und blanke Kontaktflächen ohne tiefe Riefen.
Kritisch: starke einseitige Reibspuren, Aluminiumübertragungen, tiefe Riefen oder Fressspuren.
Ebenfalls kritisch: Abplatzungen der Beschichtung, wenn diese mit Materialausbrüchen, Riefen oder anderen Schäden einhergehen.
Ein Kolben kann also trotz teilweise verschwundener Beschichtung einwandfrei funktionieren. Umgekehrt schützt eine vorhandene Beschichtung nicht vor einem Kolbenfresser, wenn beispielsweise das Laufspiel zu klein, die Schmierung unzureichend oder das Gemisch zu mager ist.
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